Marktinformationen zu Fertighäusern
Mehr als jeder Dritte in Deutschland möchte sofort umziehen
Im April 2001 fragten stern und die Bausparkasse Schwäbisch Hall in einer Leserumfrage, wie die Deutschen wohnen wollen. Die Ergebnisse der Umfrage stellen Stadtplanern und Architekten kein gutes Zeugnis aus - zuviel stimmt nicht im Wohnumfeld. So würden zwar immer mehr Bundesbürger gern citynah leben, doch die Zufriedenheit mit dem Wohnen in der Stadt ist gering. Mehr als 35.000 Leser beteiligten sich an einer im stern und in der Kundenzeitschrift der Bausparkasse Schwäbisch Hall, mosaik, veröffentlichten Umfrage. Die Auswertung der Antworten ergab ein gravierendes Resultat: 37 Prozent sind mit ihrer derzeitigen Wohnsituation unzufrieden und würden am liebsten sofort umziehen.
Traumimmobilien
Ganz oben auf der Liste der Traumimmobilien rangieren die neu gebaute Immobilie mit moderner Architektur oder ein aufwändig und fachgerecht sanierter Altbau - beides möglichst nah zur Innenstadt gelegen. Jeder vierte Befragte (27 Prozent) kann sich ohne Vorbehalte vorstellen, nach der Umgestaltung einer Baulücke, eines Altbauviertels oder eines ehemaligen Fabrik- bzw. Kasernengeländes zu einem modernen City- Quartier in einem solchen zu wohnen. Dabei hängt die Umzugsbereitschaft wesentlich von der Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld ab: Wie weit auseinander die Wohnwirklichkeit und die begehrte Immobilie liegen, unterstreicht die Tatsache, dass nur zehn Prozent der Einsender mit der Architektur ihrer Wohnung oder ihres Hauses wirklich zufrieden sind.
Technische Innovationen
Sehr aufgeschlossen zeigten sich die Befragten in Bezug auf technische Innovationen: Mehr als drei Viertel (78 Prozent) können sich eine mit offenen Grundrissen und flexiblen Installationen gestaltete Immobilie als Eigenheim vorstellen. Zentrale Systeme zum Ausschalten aller elektrischen Gefahrenquellen beim Verlassen des Hauses oder der Wohnung sowie eine automatische Regelung der Heizung betrachten die meisten Befragten als eine sinnvolle, zukunftsweisende Einrichtung. Ein "intelligentes" Haus, bei dem sich wichtige Funktionen auch aus der Ferne beispielsweise über das Mobiltelefon oder das Internet steuern lassen, findet bei beinahe der Hälfte aller Teilnehmer Anklang. Auch ist das Interesse an ökologisch gerechtem Bauen offenbar sehr groß: 89 Prozent gaben an, großes bis sehr großes Interesse an ökologischen Innovationen wie Passiv- und Nullenergiehäuser zu haben und 93 Prozent legen Wert auf Einsatz erneuerbarer Energien.
Mängel
Schlechte Geräuschisolation und unbefriedigende Lichtverhältnisse in den eigenen vier Wänden bemängelten vier bzw. zwei von zehn der an der Leserumfrage Beteiligten. Wobei die genannten Faktoren weitaus seltener von Bewohnern von Ein- oder Zweifamilienhäusern angeführt wurden als von jenen, die ein Mehrfamilienhaus bewohnen.
Statistik
Der Wunsch nach einem Wohnungswechsel wird in den Stadtstaaten Berlin (45 Prozent), Hamburg (44 Prozent) und Bremen mit 40 Prozent am häufigsten geäußert. In den Flächenländern zeigen die Saarländer mit 32 Prozent die geringste Neigung zu räumlicher Veränderung. Dort haben, wie in Brandenburg und Sachsen, 51 Prozent mit der derzeitigen Bleibe ihre "Wunschadresse gefunden". Insgesamt zeigten sich 46 Prozent Bundesbürger mit ihrer derzeitigen Adresse zufrieden. Aufgeschlüsselt nach einzelnen Kriterien ergeben sich nach dieser Umfrage zwischen den Großstädten wie Berlin und Hamburg und den Flächenländern - alten und neuen - bemerkenswerte Unterschiede.
Besonders das Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebot in Verbindung mit der Wohnsituation werden in den neuen Bundesländern deutlich schlechter bewertet: Die Freizeitmöglichkeiten halten 26 Prozent der Bewohner Mecklenburg-Vorpommerns für "unbefriedigend", gefolgt von Brandenburg mit 25, Sachsen- Anhalt sowie Thüringen mit je 22 Prozent und Sachsen mit 19 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Befragten beurteilte in diesen Bundesländern die Möglichkeiten als "weniger zufrieden" oder "unbefriedigend". In Baden- Württemberg dagegen sind 72 Prozent, in Bayern 70 Prozent mit den Angebot "sehr zufrieden" bzw. "zufrieden". Am schlechtesten schnitten von den alten Bundesländern dabei noch Rheinland- Pfalz und das Saarland ab. In Berlin sind die Bewohner mit 75 Prozent und in Hamburg sogar 82 Prozent mit den Freizeitangeboten "zufrieden" oder "sehr zufrieden".
Kultur
Auch bei der Bewertung des kulturellen Angebotes zeigen sich zwischen Ost und West gravierende Unterschiede. Am schlechtesten wird dies in Brandenburg von 34 Prozent ("unbefriedigend") der Befragten beurteilt, gefolgt von Mecklenburg- Vorpommern mit 31 Prozent. Eine Ausnahme macht Sachsen, wo sich 16 Prozent von dem Angebot "sehr zufrieden" zeigten - der höchste Wert aller Flächenländer. Erwartungsgemäß schnitten auch hier Berlin mit 41 und Hamburg mit 36 Prozent in der Kategorie "sehr zufrieden" am besten ab.
Bildung
Das Angebot an Bildungseinrichtungen finden in Brandenburg nur 43 Prozent der Befragten "zufrieden" oder "sehr zufrieden" stellend. In Mecklenburg-Vorpommern sind dies 44, in Sachsen-Anhalt 47 und in Thüringen 49 Prozent. Positive Ausnahme auch hier: Sachsen kommt bei dieser Bewertung auf 55 Prozent. Spitzenreiter sind Baden-Württemberg und Nordrhein- Westfalen, wo jeweils 62 Prozent mit dem Angebot "sehr zufrieden" bzw. "zufrieden" sind. Deutlich auch hier der Vorsprung der Metropolen: Berlin und Hamburg erreichen jeweils 76 Prozent. Schlusslicht bei den alten Bundesländern: Rheinland-Pfalz mit 51 Prozent.
Kinder
Völlig anders stellt sich die Wohnsituation im Zusammenhang mit dem Freiraum für Kinder dar. Damit sind in Hamburg und Berlin nur knapp die Hälfte "sehr zufrieden" bzw. "zufrieden". Hier liegt eindeutig Niedersachsen mit 80 Prozent vorn. Alle anderen Flächenländer erreichen Werte von über 70 Prozent.
Nahverkehr
Bei den Anschlüssen an den öffentlichen Nahverkehr gibt es bei der Beurteilung in den neuen und alten Bundesländern keine großen Unterschiede. Die Zufriedenheit liegt bei deutlich über 50 Prozent. In Hamburg und Berlin erreicht sie Werte von 90 und 92 Prozent. Ausnahme auch hier: Rheinland- Pfalz. Im Südwesten beurteilten nur 46 Prozent ihre Verkehrsanbindung als zufrieden stellend.
Nachbarn
Großen Wert legen mit 72 Prozent die Befragten auf intakte Nachbarschaften. In Großstädten gestalten sich die Verhältnisse offenbar schwieriger als auf dem Land. In Berlin z.B. sind 42 Prozent der Befragten "weniger zufrieden" oder "unzufrieden" mit ihrer nachbarschaftlichen Beziehung, in Hamburg gaben dies 39 Prozent an. Am besten mit dem Nachbarn kommt man offenbar im Saarland aus, wo 87 Prozent der Befragten im Umgang mit den Nachbarn "sehr zufrieden" oder "zufrieden" sind. In allen anderen Bundesländern liegen die Werte zwischen 68 und 76 Prozent. Befragt danach, welche Aspekte im Zusammenleben mit den Nachbarn am wichtigsten sind, gaben 56 Prozent die Betreuung älterer Menschen und 54 Prozent die Betreuung von Kindern und Jugendlichen an. Einen großen Wert erreichte mit 54 Prozent auch die Versorgung von Wohnungen abwesender Mitbewohner.
Eigentumsverhältnisse
Die Anteile zwischen Eigentümern (57 Prozent) und Mietern (42 Prozent) unter den Befragten halten sich beinahe die Waage. Wenig überraschend ist die Dominanz der Immobilienbesitzer in Dörfern und ländlichen Gebieten. Beinahe spiegelverkehrt gebärdet sich das Verhältnis in der zentralen Innenstadt: Dort beträgt der Eigentümeranteil lediglich 28 Prozent gegenüber 71 Prozent auf dem Land. Vergleichsweise hohe Immobilien- und Mietpreise sind dafür verantwortlich, dass viele Menschen ihren Traum vom Eigenheim in ländlichen Regionen und nicht in Städten verwirklichen. Ferner sind geringere Umweltbelastungen und das grüne Umfeld bzw. der eigene Garten Gründe für ein Haus außerhalb der Stadtgrenzen.
Infratest: Wohneigentumserwerber entscheiden sich häufiger als vermutet für kostengünstige Alternativen zum Einfamilienhaus
Neue Bescheidenheit? Wenn die Bundesbürger von den eigenen vier Wänden träumen, haben sie überwiegend ein freistehendes Einfamilienhaus mit Garten vor Augen. 69 Prozent, so ergab eine ICON-Umfrage 2001, wünschen sich diese Form des Eigenheims. Nur eine Minderheit möchte demnach ein Doppel- oder Reihenhaus (10 Prozent). Die Realität sieht freilich anders aus. Eine aktuelle Marktuntersuchung von Infratest im Auftrag verschiedener Institute, unter anderem der Landesbausparkassen (LBS), zeigt, dass Bauherren und Käufer viel häufiger auf die kostengünstigeren Varianten des Wohneigentums ausweichen als man gemeinhin annimmt: Fast 20 Prozent aller Erwerber zwischen 1998 und 2000 begnügten sich demnach mit einem Doppel- oder Reihenhaus. Nur 34 Prozent entschieden sich für ein klassisches Einfamilienhaus. Weitere 18 Prozent erwarben ein Zweifamilienhaus bzw. ein Haus mit Einliegerwohnung. Ein relativ großes Gewicht hat mit rund einem Viertel die Alternative Eigentumswohnung.
Dass sich die Deutschen beim Wohneigentums-erwerb bescheiden geben, hat nach Einschätzung von LBS Research jedoch in der Regel nichts mit freiwilligem Verzicht zu tun. Dahinter stecken vielmehr generelle Trends auf dem Immobilienmarkt. Zum einen ist ein stärkeres Kaufinteresse von Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen (sogenannten Schwellenhaushalten) zu beobachten. Sie müssen schon allein aus finanziellen Gründen Kompromisse schließen.
Zum anderen findet die Wohneigentumsbildung wieder verstärkt in den Ballungsräumen statt. Die Präferenz für stadtnahes Wohnen zwingt viele Bauherren und Käufer von Gebrauchtimmobilien, auf flächensparende und kostengünstigere Angebote wie etwa Reihenhäuser oder Eigentumswohnungen auszuweichen.
Kein Wunder deshalb, so LBS Research, dass freistehende Objekte vor allem in den alten Bundesländern an Bedeutung verloren haben. Wählten in den zuletzt untersuchten Bau- und Kaufjahrgängen von 1994 bis 1997 noch 40 Prozent aller Erwerber das klassische Einfamilienhaus, sind es jetzt nur noch 30 Prozent. Gleichzeitig gewann das Reihenhaus deutlich an Anteilen dazu. 19 Prozent der Bauherren und Käufer zwischen 1998 und 2000 erfüllten sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden mit einem in Reihe gebauten Objekt (zuvor 15 Prozent). Deutliche Zugewinne verzeichnet der "Westen" auch bei den Eigentumswohnungen. Ihr Anteil stieg von 27 auf 30 Prozent und erreichte damit das Niveau von Einfamilienhäusern.
In den neuen Bundesländern mit dem generell niedrigeren Immobilienpreisniveau ist dagegen der hohe Nachholbedarf im Eigenheimsektor mehr denn je spürbar. Fast jeder zweite Bauherr und Käufer wählte hier ein freistehendes Objekt. Bei der letzten Infratest-Untersuchung waren es erst 40 Prozent. Spiegelbildlich dazu die Entwicklung bei den Eigentumswohnungen. Der Anteil der Erwerber, die sich für das Wohnen auf der Etage entscheiden, sank von 24 auf 11 Prozent. Das Reihenhaus konnte sich im Vergleich dazu gut behaupten. Nach 18 Prozent in den Jahren 1994 bis 1997 bevorzugten zwischen 1998 und 2000 immerhin noch 16 Prozent diese Wohnform.
